Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) für neue und interessierte Lehrkräfte
Robert-Schuman-Institut
Seit über 40 Jahren ist das Robert-Schuman-Institut aus Eupen Vorreiter in nachhaltigem Management. Konkret bedeutet dies, dass die Schulverwaltung in all ihren Prozessen versucht, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Ob Abfallmanagement, Einkauf oder Gebäudewirtschaft, hier wird auf schonende Ressourcennutzung geachtet. Diese Entwicklung geht auch an den Schülern nicht vorbei. Auf dem Campus erleben sie, was Nachhaltigkeit im Schulalltag bedeutet. Außerdem gibt es zahlreiche Unterrichtsprojekte, die die Schüler für diese Themen sensibilisieren und befähigen sollen, eine zukunftsfähige Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Das RSI geht noch einen Schritt weiter. Aus den zahlreichen Projekten soll ein strukturiertes Bildungsprogramm für nachhaltige Entwicklung entstehen. Um dies zu erreichen werden neue und interessierte Lehrkräfte in Nachhaltigkeit geschult, so dass sie fähig sind, das Thema zielführend in ihre Unterrichte einzubinden.
Zukunftsrelevante Kompetenz
Silke Nütten ist die Koordinatorin für nachhaltige Entwicklung am RSI. Als Supervisor und interner Auditor ist es ihre Aufgabe, regelmäßig die IST-Situation zu überprüfen und die Weiterentwicklung zu fördern. Sie hat eine klare Vision. Vom 1. bis zum 7. Jahr sollen alle Schüler in der Basis der Nachhaltigkeit ausgebildet werden. „Wir denken, diese Kompetenz ist zukunftsrelevant“, sagt sie. In der Schreinerabteilung zum Beispiel erwerben die Schüler die Fachkompetenz, die sie als Schreiner brauchen. Gleichzeitig lernen sie aber auch Dinge wie: Wie kaufe ich nachhaltiges Holz ein? Welche Alternativen gibt es zu giftigen Leimen? etc. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Tatsache, dass Nachhaltigkeit in keinem Lehrplan verankert ist, es aber auch kein neues Fach ist, sondern in jedes Fach integriert werden soll. „Das schaffen wir nur“, betont Silke Nütten, „wenn alle unsere Lehrer darin ausgebildet sind und das nötige Handwerkszeug und die Motivation besitzen.“
Einführungsworkshop für neue und interessierte Lehrer
Angefangen wird bei den Neuen. „Wir verpflichten unsere neuen Lehrer, einen Einführungsworkshop für Bildung für nachhaltige Entwicklung zu besuchen“, erklärt sie. Darin lernen sie, was Bildung für nachhaltige Entwicklung ist. „Wie geht das? Wie kann ich das vermitteln.“ Es gibt bisher ein Modul für BNE-Anfänger. Ab dem nächsten Schuljahr wird es zusätzlich ein Modul für Fortgeschrittene geben. Beide Workshop-Module werden einmal im Jahr angeboten. Neben den neuen Lehrern dürfen auch interessierte Lehrer teilnehmen. Als Referentin konnten sie Jasmin Jalajel engagieren. Sie hat selbst ein Nachhaltigkeits-Handbuch für Lehrkräfte geschrieben und berät neben dem RSI auch Hochschulen. Über diese Workshops hinaus, möchte das RSI das Handbuch von Jasmin Jalajel in Kooperation mit der Autorin den eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen entsprechend aktualisieren. Der aktualisierte Teil des Handbuchs soll langfristig online veröffentlicht werden und allen Lehrern der Deutschsprachigen Gemeinschaft als Hilfsmittel dienen.
Alles ist miteinander verknüpft
Von den 180 Lehrern des RSI haben sich rund 60 bereit erklärt, in einem fächerübergreifenden Team, das sich mit der Förderung für Bildung für nachhaltige Entwicklung am RSI beschäftigen wird, mitzumachen. Die Tendenz ist steigend. Und auch bei den Schülern tut sich immer mehr. Seit drei Jahren müssen die Abiturienten einen Nachhaltigkeitsteil in ihre Endarbeit einbauen. Außerdem wird es im kommenden Schuljahr zum ersten Mal einen Nachhaltigkeitspreis für Endarbeiten geben. Dies gilt für alle Schulen der DG. Silke Nütten träumt unterdessen schon von der Zukunft. „Ziel ist es, mit unseren Lehrern zu schaffen, das Thema der nachhaltigen Entwicklung in all unsere Abteilungen zu integrieren.“ In Mathe werden dann CO2-Verbrauch und ökologischer Fußabdruck berechnet und in Erdkunde der Lebenszyklus eines Handys beleuchtet. „Die Schüler sollen am realen Gegenstand lernen, mit Beispielen aus ihrer Welt und das Verständnis erlangen, dass alles miteinander verknüpft ist.“